Kleider machen Möbel! - Die wichtigsten Bezugsstoffe und ihr Charakter

Welche Faktoren entscheiden über den Kauf eines Polstermöbels? Aus welchen Gründe entscheiden wir uns für eine bestimmte Garnitur? Tatsächlich spielen eine Reihe von technischen Faktoren eine wichtige Rolle, wie zum Beispiel die Frage, ob es sich um eine Garnitur mit Federkern- oder Schaumpolsterung handeln soll. Auch das Design und die Größe sind weitere Merkmale, die die Kaufentscheidung beeinflussen.

Doch was uns zuerst ins Auge fällt und uns vom ersten Moment an unserem Wunschmöbel verzaubert, ist sein Bezug - seine `Haut´. Denn die Beschaffenheit und das Aussehen des Materials gibt dem Möbelstück seinen Charakter und seine Einzigartigkeit. Im folgenden Beitrag werden wir einige Bezüge aufzählen und deren Eigenschaften erläutern. Damit möchten wir Ihnen eine kleine Orientierung vor einer Kaufentscheidung geben.

Natur vs. Chemie – Ist das so einfach?

Eine erste Unterscheidung beim umfangreichen Angebot der Bezüge macht man zunächst bei den Naturmaterialien und den Chemiefasern. Zum Beispiel gehören zu den natürlichen Materialien Leder, Leinen oder auch Baumwolle. Künstliche Fasern bestehen unter anderem aus Polyester, Viskose oder Polyamid.

Grundsätzlich sind Bezüge aus Chemiefasern strapazierfähiger und haltbarer. Naturmaterialien hingegen punkten mit atmungsaktiven Eigenschaften und `natürlicher´ Griffigkeit. Mischvarianten von Natur- und Chemiefaser sind die Regel bei Stoffbezügen, da durch eine Kombination der bestmögliche Bezug für Sofa und Co. erreicht wird. 

Flachgewebe

Die Herstellung dieses flachen Stoffes erfolgt durch `Kette und Schuss´ - Das heißt es wird auf alt hergebrachte Weise gewebt. Wenn Sie sich für dieses Textil entscheiden, schöpfen Sie aus einem riesigen Fundus aus Farbe, Struktur und Zusammensetzung. Den Möglichkeiten scheinen hier keine Grenzen gesetzt. Wie die Bezeichnung bereits verrät, ist der Stoff sehr flach.

Ein Scheuerwert ab 20.000 ist bei Flachgewebe ein Richtwert, auf dem man vor dem Kauf achten sollte. Zusätzlich sollte man bedenken, dass es bei diesen Bezügen zu Pillingbildung kommen kann. Dies sind kleine Kügelchen, die durch Stoff-auf-Stoff Reibung entstehen können. Doch es gibt Abhilfe: Mit speziellen Rasierern kann das Pilling entfernt werden und der Bezug ist wie neu. Folgend stellen wir Ihnen Chenille, Jacquard und Mikrofaser vor - 3 häufig vorkommende Flachgewebearten. 

Chenille

Das Garn, aus dem der Stoff gewebt wird, besitzt unzählige abstehende Fasern. Betrachtet man das Garn aus der Nähe, erweckt dieser den Eindruck einer haarigen Raupe. Der Chenillegarn wird wie das Flachgewebe gewebt.  Es entsteht ein sehr weicher und angenehmer Bezug, der durch die besondere Konstruktion des Garns einen dreidimensionalen Eindruck entstehen lässt. Es muss jedoch erwähnt werden, dass es bei nach einer gewissen Zeit zu Fadenverschiebungen kommen kann.

Jacquard

Garnitur mit Bezug aus Jacquard.
Garnitur mit Bezug aus Jacquard.

Bei dieser Webtechnik kann jeder Faden individuell gehoben oder gesenkt werden. Dadurch ist eine schier unerschöpfliche Anzahl an Mustern möglich. Diese Technik wurde im 19. Jahrhundert in Frankreich entwickelt und sorgte für eine explosionsartige Mustervielfalt.

Mikrofaser

Die Fasern dieses Textils sind bei weitem feiner als die der bereits aufgezählten Stoffe. Die Textilien aus Microfaser sind durchweg synthetisch und bestehen aus sehr dünnen Fasern, die keine Flüssigkeiten aufnehmen können. Außerdem sind durch diese Feinheit sehr engmaschige Stoffe möglich, die dadurch gleichzeitig robust und weich sind. Im Zusammenhang mit Mikrofaser ist einem der Begriff Alcantara häufig ein Begriff.

Velour

Dieser Stoff ist durch aufgestellte Faserenden sehr samtig und breiter als die beschriebenen Flachgewebe. Je länger die Fasern dieses Textils sind, desto flauschiger ist er. Dadurch entstehen wunderschöne Farbspiele auf den Bezügen, auf denen sich samtig glänzende Stellen und Schatten abwechseln.

Ein Aspekt, der bei einem Velourbezug beachtet werden sollte ist, dass die aufrechten Faserenden durch häufigen Gebrauch abknicken. Es entstehen so genannte `Sitzspiegel´ - dauerhaft samt-glänzende Stellen, auf die man sich einstellen muss.

Flockvelour

Durch eine spezielle Klebetechnik wird Flor und ein Trägermaterial verbunden. Dadurch wird der entstehende Stoff sehr pflegeleicht und robust. Da zwei Komponenten miteinander verbunden werden, speichert der Bezug sehr gut Wärme.

Auch hier muss beachtet werden, dass Sitzspiegel entstehen können. Außerdem ist durch die Klebetechnik der Stoff sehr empfindlich gegenüber Lösungsmitteln.

Leder

Eine Ledercouch ist ein sehr hochwertiges Möbel!
Eine Ledercouch ist ein sehr hochwertiges Möbel!

Eine Polstergarnitur mit einem Bezug aus Leder ist ein besonders hochwertiges Möbel. Das Naturprodukt Leder ist nach wie vor sehr beliebt und überzeugt nicht nur durch die natürliche Griffigkeit, sondern auch durch seine atmungsaktive Eigenschaft. Es gibt ganz unterschiedliche Lederarten, Färbungen oder auch Prägungen, die so gut wie keine Wünsche offenlassen.

Es empfiehlt sich vor einer Kaufentscheidung seine Wohnsituation zu bedenken. In einem Familienhaushalt mit Haustieren sollte man sich gut überlegen, ob man sich eine hochwertige Garnitur mit exklusivem Anilinlederbezug kauft. Diese sehr edle Lederart ist zwar von höchster Qualität, aber auch anspruchsvoll und anfällig für Kratzspuren. Ein Kompromiss könnte pigmentiertes Leder sein. Dieser Lederbezug wurde mit Farbschichten überzogen und ist weniger empfindlich und robuster. Je nach Lederart gelten unterschiedlichste Pflegeanweisungen. Grundsätzlich sollte eine Ledergarnitur 1-2 mal im Jahr einer Pflegekur unterwiesen werden.

In unserem Beitrag „Leder – Fast so alt wie die Menschheit“ finden Sie ausführliche Informationen über unterschiedliche Lederbezüge, ihre Eigenschaften und Pflegeanleitungen.

Kunstleder

Hier kommt eine Kombination aus unterschiedlichen Grundstoffen zum Einsatz. Ein meist textiles Gewebe wird mit einer robusten Kunststoffdeckschicht veredelt und es entsteht ein strapazierfähiges und ausdauerndes Material. Durch die Veredlung mit Kunststoff sind unterschiedlichste Oberflächenstrukturen, Farben und Ausprägungen möglich. Farbnuancen, die bei echtem Leder schwierig zu erreichen sind, können bei Kunstleder umgesetzt werden. Ein Nachteil des Kunstleders ist sicherlich, dass es nicht so atmungsaktiv wie echtes Leder ist. Im Sommer schwitzt man sehr leicht auf Kunstleder und es besitzt sicherlich nicht die beschriebene Griffigkeit von echtem Leder.

Geschmäcker sind verschieden - und das ist gut so!

Ein jeder hat seine Vorstellung von seinem persönlichen `Wohlfühlort´. Die eigenen Wünsche und Vorlieben spielen dabei die Hauptrolle und niemandem nutzt es, wenn Sie einem Trend folgend einen Bezug gewählt haben, an dem Sie sich vielleicht in wenigen Monaten sattgesehen haben. Wertige Bezugsmaterialien sollten viele Jahre halten und es wäre schade, wenn Sie schon bald keine Freude mehr daran hätten. Lassen Sie sich daher Zeit! Überlegen Sie welches Sofa, welchen Bezug besitzen soll und besuchen Sie uns gerne in einem unserer Möbelhäuser.

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